Mit dem "Schweineschnäuzchen" auf Tour
Historischer Schienenbus nimmt Betrieb auf
Der Museumsbahnhof ist wieder um eine Attraktion reicher. Ein seltsam anmutendes Gefährt sorgt seit Sonnabend auf dem Schienenstrang für Aufsehen. Nicht nur das rein "Äußerliche" lenkt den Blick aller Besucher auf sich, auch die beiden, fast 70 Jahre alten, original Ford-Benzin-Motoren können sich sehen und hören lassen. Mit 50 Pferdestärken sowie 3,5 Liter Hubraum kann der originelle "Wismarer Schienenbus" aufwarten, sein unsynchronisiertes Getriebe wird mit Zwischengas gefahren.
Horst Möller, der seit 33 Jahren auf dem Museumsbahnhof hauptsächlich in der Fahrzeugaufarbeitung für
schweineschn1.jpg













Der Spitzname "Schweineschnäuzchen" ist, wie die Vorderansicht zeigt, wirklich sehr treffend gewählt


Personenwagen und Dieselloks sein bevorzugtes Aufgabenfeld weiß, hat, sage und schreibe sieben lange Jahre, an seinem Projekt "Schweineschnäuzchen" gearbeitet. "Gut zwölfhundert Stunden im Jahr hab ich hier
in der Halle am Schweineschnäuzchen" restauriert, nun ist der Schienenbus wieder fast wie neu", freut sich der engagierte Tüftler mit berechtigtem Stolz. Bis auf die letzte Schraube war das Gefährt zerlegt. Neue Teile, die haargenau den ursprünglichen gleichen, mussten "erschaffen" werden. Man sieht dem Schienenbus nicht an, dass überhaupt daran gearbeitet wurde, im Gegenteil: Ob Innenverkleidung, Fenster oder Sitze - alles duftet und erscheint wie die Patina  von 70 Jahrzehnten. Da war es direkt passend, dass auf der "Jungfernfahrt" dem bis auf den letzten Platz besetzten Schienenbus auf dem Zwischenstopp zur Rückfahrt einer der Motoren "absoff". Möller lacht: "Das kann bei solch' altem Motor passieren, kein Problem, am Strand wird das Ventil kurz durchgepustet, dann läuft der wieder wie geschmiert…". Wozu schließlich hat das "Schweineschnäuzchen" zwei Motoren an Bord? Also knatterte der Bus mit dem zweiten wacker zurück zum Museumsbahnhof und wurde dort mit herzlichem "Hallo" begrüßt.

Hier nun einige Angaben zur Geschichte des Verbrennungstriebwagens, so der Begriff aus der Genehmigungsurkunde:
Gebaut im Jahre 1938 von der "Triebwagen- und Waggonfabrik Wismar AG" in Wismar;
Technische Abnahme durch das Reichsbahn-Maschinenamt Wittenberge am 12. 12. 1938;
Beschaffungspreis 29.700,00 Reichsmark;
Antrieb durch zwei Ford 50 PS-Motoren, die noch in Originalzustand vorhanden sind
Größte zulässige Geschwindigkeit: 50 km/h;
Länge: 10,770 m - Breite: 2,9025 m - Gewicht 7,280 t;
43 Sitzplätze und 16 Stehplätze;
Erster Einsatz bei der Bleckeder Kleinbahn, die nach dem zweiten Weltkrieg in die Osthannoversche Eisenbahn aufging und dort bis 1967 im Einsatz war.
Seit 1985 im Einsatz bei der Schönberger Museumsbahn.



schweineschn2.jpg
















Auf geht's zur "Jungfernfahrt"… Horst Möller hat allen Grund stolz zu sein. Sieben Jahre harte Arbeit haben sich gelohnt.