Hellwach und mit Käschern bei
Fuß standen sie da, neun Kinder und fünf
Erwachsene, nicht ahnend was sie erwarten würde.
Die bunte Truppe hatte sich frohgemut, wie schon viele
in den vergangenen drei Jahren zuvor, vor dem Portal
des Naturfreundehauses in Kalifornien eingefunden und
harrte dessen, was da kommen sollte. Zuerst aber kam
er, Dr. Roland Dold, Meeresbiologe, hervorragender
Pädagoge und wie sich erneut herausstellen sollte,
einzigartiger Kinderversteher. Mit Sandalen, blauen
Shorts und Sonnenkäppi bestens für den
ereignisreichen Nachmittag ausgerüstet,
begrüßte er mit strahlenden Augen jeden
einzelnen Teilnehmer der Führung. Er klopfte den
Zurückhaltenden unter den Kleinsten aufmunternd
auf die Schulter, behielt sofort jeden Namen und hatte
in Nullkommanix die muntere Gesellschaft unter
Kontrolle.
Schnell stand auch das fehlende
Equipment bereit: kleine Eimer und durchsichtige
Behälter, Lupen sowie zusätzliche
Käscher – eben das, was ein Ostseeforscher
dringend benötigt, wenn er mit Dr. Dold auf
naturkundliche Expedition geht. Noch schnell wurde eine
aufschlussreiche Einführung in Käscherkunde
gegeben und praktische Ratschläge erteilt. Dann
ging’s im Gänsemarsch hinauf zum Strand und
ab zur Buhne 25. Hier und da wurde abrupt gestoppt,
wenn ein interessantes Objekt in Sicht war. Auf den
Knien und sehr nah am Geschehen wurde nach eingehender
Betrachtung alles identifiziert und aufs Anschaulichste
erklärt. Sorgenfalten ob einer schleimigen
Wasserhaut wurden prompt geglättet: „Das
sind nur Getreidepollen. Im Mai sieht das, durch den
Raps gelb und vom Meer aufgerubbelt, erst richtig
giftig aus.“ Aufsehen
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erregende Krebsfragmente zwischen
getrockneten Algen wurden
zum Aha-Erlebnis: „Das ist
nur eine zu klein gewordene und abgeworfene Schale wie
bei Schlangen, wenn die sich häuten. Der Krebs
hockt wahrscheinlich noch putzmunter irgendwo im
Schutze der Buhnensteine.“ Originelle
„Brotkrumenschwämme“ mussten zugunsten
ihrer Namenserklärung leiden: „ Kommt,
zerreibt sie mal zwischen euren Finger, dann wisst ihr,
warum die so heißen.“ Selbst der kleinste
Strandfloh, alles wurde ausgiebig unter die Lupe
genommen und keine Frage blieb unbeantwortet. Nur die
Miesmuscheln ließen Dr. Dold scheinbar an seine
naturwissenschaftlichen Grenzen stoßen:
„Ich weiß gar nicht warum die Mies
heißen, eigentlich schmecken die sehr gut.“
Auch ein Blick nach oben erwies sich als
aufschlussreich: „Vor zwei Wochen waren die
Möwen noch am
Brüten, jetzt sind sie mit
ihren dunkelgefiederten Kindern da.“ Nicht nur
auf kleine „Sand“-Tiere wurde
Rücksicht genommen: „Vorsicht, da liegt ein
Krokodil, nicht drauftreten!“ An Buhne 25 teilten
sich dann die Meinungen, ob man durch das kalte (?)
Wasser waten oder eine abenteuerliche Kletterpartie
über die Steine wagen sollte. Um auch die letzten
Wasserscheuen zu überreden, ließ Dr. Dold,
nie um eine überzeugende Antwort verlegen, ein
Thermometer ins Wasser
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gleiten. Er hielt es triumphierend
ob der allgemein viel zu tief eingeschätzten
Temperatur empor: 20,8 Grad Celsius! Noch die letzte
kleine Zweiflerin beherzt auf die Schultern nehmend,
ging’s dann hinaus zur Buhnengabelung, wo die
richtig großen Abenteuer warteten und der
Forscherdrang vollends ausgelebt werden konnte.
Dr. Roland Dold, gebürtiger
Schwarzwälder aus Friberg „wo es
die höchsten Deutschen
Wasserfälle gibt, wenn genug Wasser da ist“,
lebt und arbeitet seit 1967 hier in Schleswig-Holstein.
Unter anderem hat er bei der NABU „viel auf den
Weg gebracht“ wie zum Beispiel das
Erschließen wichtiger Naturschutzgebiete. Er
arbeitet seit langem mit (Wald)Kindergärten, wo er
den Jüngsten vermittelt, wie sie ihr
„eigenes Handwerkzeug entwickeln“
können. Unter anderem ist seit 12 Jahren einmal
pro Woche Probsteierhagen-Tag. Seine Devise lautet:
nicht stur nach Plan vorgehen, sollte er auch noch so
aufwendig erarbeitet worden sein. Sondern
aufgeschlossen dem gegenüber sein, was da gerade
über den Weg gelaufen kommt: „Wenn da ein
interessanter Käfer ist, dann geh ich ganz nah mit
der Nase ran – und – schon sind noch 16
kleine Nasen daneben.“ Seit drei Jahren ist er
nun im Naturfreundehaus Kalifornien Zuhause,
mittlerweile fest eingestellt. Doch er hat immer noch
mindestens ein aufregendes Abenteuer in petto, wie eine
Trecking-Tour im nächsten Jahr nach Sibirien:
„Wenn man mal keinen Menschen sehen möchte,
braucht man nur hinter die zweite Bergreihe zu
gehen.“ Alle Naturfreunde hier, ganz sicher
jedoch die Kinder, werden froh und glücklich sein,
wenn Dr. Roland Dold sie wieder mit seinen lachenden
Augen anstrahlt und so ganz nebenbei erzählt, dass
ein Dorsch eine ganze Dose Cola schlucken kann und eine
Möwe einen ganzen Hamburger!
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