Heinz Ratz und die
vergessenen Dichter
Die literaturbegeisterten Gäste des Lutterbeker konnten sich kürzlich über eine "musikalische Lesung" eines ganz besonderen Formates freuen. Zu Gast war der hervorragende Rezitator, Liedermacher, Autor und Musiker Heinz Ratz, Neu-Kieler, mit dem Revolver-Jazz-Ensemble, am Flügel Lesly Farfisal,  Schlagzeug  Bente Faust sowie dem Cellisten Carsten Roggenburg.
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 "Lyrik, die man so nicht kennt" nennt "El Ratz" seine Veranstaltung. Nach seinen, seit 1993 bereits acht veröffentlichten Büchern, bezeichnet er sich selbst mit den Worten "im tiefsten Grunde bin ich ein Literat, dem das reine Lesen und Schreiben zu langweilig ist, und der deshalb Musik macht und auf die Bühne will!" 1968 geboren, führte dieser außergewöhnliche junge Mann mit insgesamt mehr als vierzig Umzügen ein Leben von "rekordverdächtiger Unruhe". In Spanien, Peru, Argentinien, der Schweiz, Saudi-Arabien und Schottland lebte er, besuchte 16 Schulen und lernte das Leben wahrlich nicht nur von seinen Sonnenseiten kennen. Als scharfer Beobachter, vor allem seiner selbst, rettete er sich in seine Texte, stand mehr als tausend Mal mit Konzerten und Lesungen auf den verschiedensten Bühnen, machte eigene Musikproduktionen und bisher vier Hörbücher. Mit jungen Jahren schrieb er erste Gedichte, die dem Zuhörer selbst beim heutigen Vortrag noch Gänsehaut verursachen. So wie er nicht nur mit seiner originellen Art des Vortrages sondern vor allem mit seiner mal sanft rauchigen, mal fauchenden, einerseits liebenswerten und andererseits zornigen Stimme die Zuhörer vereinnahmt. Zutreffend heißt es in Künstlerkreisen "Ratz lebt jedes Wort, jeden einzelnen Buchstaben und er schafft eine Authentizität, die schwindeln läßt." Mit seiner enormen
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schauspielerischen Begabung ("ich hatte nie auch nur eine Stunde Schauspielunterricht") macht er Texte für jeden einzelnen Zuhörer bzw. Zuschauer erlebbar.
Derzeit versucht er sowohl im Lutterbeker als auch in Hamburg eine Reihe mit "vergessenen" Dichtern zu etablieren. Der Anfang galt den Gedichten und manchen kleinen Texten von Friedrich Nietzsche, die er gemeinsam mit seinen  musikalischen Freunden vertont hat. Mal rockig, mal fetzig, mal eindringlich untermalt, entsteht ein einzigartiges und lange nachhallendes Literatur-Erlebnis. Diese Veranstal-tungsreihe, die jeweils am letzten Sonntag im Monat fortgesetzt werden soll, ist ein absolutes Muß für  Menschen, die Literatur nicht einfach konsumieren, sondern erleben möchten.
"Auch Nietzsche schrieb mit 9 Jahren sein erstes  Gedicht, war mit 25 Jahren der seinerzeit jüngste Professor aller Zeiten und begann, wahrscheinlich aufgrund seiner tiefen Einsamkeit, recht bald mit seiner philosophischen Kampfaera" moderiert Heinz Ratz seine eigene Veranstaltung. Er zaubert die Töne mit dem Variantenreichtum seiner Stimme und wenn er Nietzsche rezitiert "will weise sein, wenn's mir gefällt" glaubt man ihm das auf's Wort.
Glaubhaft wirken auch die in seinem letzten Buch "Der Mann der stehen blieb" veröffentlichten 30 monströsen Geschichten oder seine "Apokalyptischen Lieder", Lyrik aus dem Jahr 2004.
Mit seinem Hörbuch "ich bin des regenbogens angeklagt" interpretiert er Texte bekannter und unbekannter Autoren - für Toleranz, gegen Kälte und Gewalt. Und genau das ist auch sein Thema. Heinz Ratz lebt für Toleranz und gegen Gewalt, dieser Mann ist einfach ein Erlebnis.